Die ersten Male – Teil I

„Mit jedem peitschenden Akkord, wehen deine Sorgen fort
Und das Unheil zieht vorbei
Lass‘ zurück, was dich gehemmt

werde eins mit dem Moment
Steig‘ empor, du bist frei

Der Wind dir um die Ohren fegt, ein Lied sich auf die Seele legt
So gib dich hin dem Sturmgesang
Schall und Rausch, Sturm und Klang“

(Vogelfrey – Sturmgesang)

Ich habe mittlerweile so einige erste Male hinter mir. An dieser Stelle möchte ich gerne von den besonderen ersten Malen im Zusammenhang mit BDSM erzählen. Doch alles schön der Reihe nach. Wer meinen letzten Beitrag „Der Anfang“ gelesen hat, weiß noch, dass ich mich entschlossen hatte, zu einem Fesseltreff zu fahren.

Chronologisch ist das aber nicht ganz korrekt.

Zunächst müsste ich eigentlich noch von einem Mann erzählen, der eventuell noch öfters ein Thema werden könnte. Daher würde ich ihm auch gerne einen Namen geben und weil ich die Art der Namensnennung der fabelhaften Ophelia sehr mag, würde ich mich daran mal grob orientieren. Nennen wir ihn also Neptun. Er ist kein Dom im eigentlichen Sinne, sondern vor allem dem S/M in Verbindung mit Sex zugetan. Ich hatte bereits in meiner letzten Zeit als Single Sex mit ihm, allerdings war das vergleichsweise zurückhaltend.

Da ich nun wieder single war, schrieb ich ihm und traf ihn auch mal auf einen Kaffee. Ich erzählte ein bisschen und er, ebenfalls relativ frisch single, erzählte auch etwas. Wir verstehen uns insgesamt sehr gut und die Chemie stimmt einfach. Allerdings wäre er für mich niemand, mit dem ich eine Beziehung eingehen würde und trotz ein wenig Schwärmerei anfangs, bin ich nicht verliebt. Genau die richtige Situation für mich. Also besuchen wir uns hin und wieder, haben Sex und genießen einfach ein bisschen unsere Neigungen.

Nun haben wir uns also schon einmal gesehen, nachdem ich mich von meinem letzten Freund getrennt hatte und haben genau das getan. Dabei kam auch ein bisschen Seil zum Einsatz, dass hatte aber wirklich nur den Grund der Fixierung und das habe ich auch genossen.

Etwa völlig anderes erwartete mich bei dem Fesseltreff und damit rechnete ich bis dahin auch noch.

Es war ein Sonntag, ich war an dem Abend davor spontan mit Freunden etwas trinken gewesen, dementsprechend kam es mir vor wie sehr früh morgens, obwohl der Beginn des Treffens erst um 14 Uhr war. Im Übrigen hatte ich ein paar Vertrauten erzählt wo ich bin. Auch wenn ich nicht die Notwendigkeit empfand mich covern zu lassen, wie bei einem Date in etwa, war es für meinen Kopf ganz gut, dass ein paar Menschen wissen, was ich so treibe und mir auch ab und an schrieben, wie es so läuft.

Anyway..

Da ich auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen bin, war ich schon ca eine halbe Stunde früher vor Ort, außerdem kannte ich ja den Fußweg von der Haltestelle nicht so genau und wollte sichergehen. Tja, gefunden habe ich alles gut, also hieß es nun erstmal warten.
Ich war müde und nervös, grundsätzlich erstmal eine ganz fiese Kombination. Eigentlich rauche ich nur noch selten, aber an dem Tag war ich wirklich froh, noch ein paar zerdrückte Zigaretten vom Abend zuvor in der Handtasche zu haben.

Nach etwa 20-30 Minuten des Wartens, kam dann auch jemand und schloss die Tür auf. Wir unterhielten uns ein bisschen, während ich ihm dabei half, das Treffen vorzubereiten. Erstmal nur ein bisschen Smalltalk, aber durchaus sympathisch.
Zumindest verging die Zeit und nach und nach trudelten andere Teilnehmer ein. Das war für mich sehr angenehm, man konnte sich vorstellen und außerdem ein bisschen die Gruppendynamik beobachten. An diesem Termin war wohl recht viel los, es gab einige, die sich schon kannten, aber auch Neulinge wie mich. Dennoch hatte man nicht das Gefühl, dass es voll war.

Ich begann langsam mich in der Atmosphäre wohl zu fühlen und erste Gespräche zu führen. Dann begann ein Einsteiger Workshop, an dem ich ebenfalls teilnahm. Was genau dort erzählt wurde, möchte ich hierbei aber außen vor lassen. Darum soll es an dieser Stelle schlichtweg nicht gehen, zudem kann ich das so gut gar nicht wiedergeben.

Während des Workshops ließ man natürlich auch mal den Blick schweifen und staunte über das, was man dort so sah. Es waren wie gesagt einige, auch durchaus erfahrene, Rigger wie Bunnys da, dementsprechend gab es einiges zu sehen. Besonders bei demjenigen, der zu Beginn des Treffens die Tür aufgeschlossen hatte, blieb mein Blick des öfteren hängen. Es war die pure Faszination ihm zuzusehen, ich musste mich immer wieder mal dazu zwingen, mich wieder auf den Workshop zu konzentrieren. Als wir damit kurz eine Pause machten, hätte ich gerne noch mehr zugeschaut, allerdings war das Bunny dann bereits abgefesselt.

Naja, da konnte man nichts machen und rückwirkend betrachtet war das Timing für mich sehr glücklich, also werde ich mich sicher nicht beschweren 🙂

Der Workshop ging also weiter und es wurde eine einfache Fesselung am Bein geübt. Diejenige, die für den Workshop meine Partnerin war, war grade dabei Seil um mein rechtes Bein zu wickeln. Und da kam eben jener Rigger dazu und unterstütze sie ein bisschen. Er wickelte dann also ein bisschen Seil um mein Bein, es war eigentlich nicht wirklich viel, aber das reichte schon völlig aus. In diesem Moment machte irgendetwas klick bei mir. Ich glaube, da habe ich dann wirklich Blut geleckt. So sympathisch mir meine Workshop-Partnerin auch war, es war einfach eine Übungsatmosphäre und es gab keine wirkliche Verbindung zwischen uns. Bei diesem Rigger war es anders und genau das habe ich gespürt.

Der Moment war nur von kurzer Dauer, aber er war definitiv da.

Etwas später, nach dem Workshop waren wir im Vorraum, in dem ein paar Sitzgelegenheiten, sowie ein paar Snacks und Getränke bereit standen. Dabei war unter anderem auch dieser spezielle Rigger. Man unterhielt sich allgemein in der Gruppe, es war eine lockere, angenehme Atmosphäre. Und nachdem wir uns ein bisschen unterhalten hatten, drehte sich der Rigger zu mir und fragte mich, ob ich Lust hätte, etwas mit ihm zu machen.

Nach außen hin wirkte ich vermutlich relativ entspannt und sagte natürlich zu. In mir drin sah es ganz anders aus. Ich freute mich wahnsinnig, dass er mich gefragt hatte und war auch sehr aufgeregt. So gesehen hätte ich schon auch den Mut gehabt, ihn zu fragen. Allerdings wohl nicht mehr bei diesem Treffen, obwohl ich bei weitem kein schüchterner Mensch bin.

So gingen wir dann also gemeinsam in den Hauptraum zurück. Da er mich zum ersten Mal fesselte, besprachen wir kurz ein, zwei wichtige Dinge. Und dann begann er.

Es fällt mir immer schwer, die passenden Worte zu finden, für die Empfindungen, die ich beim Fesseln wahrnehme. Wir bauten an diesem Tag eine Verbindung zueinander auf, die ich bis heute nicht wirklich beschreiben kann. Unter seinen Händen, seinen Berührungen und seinen Seilen versank ich komplett. Ich war so frei wie noch nie, je mehr er meine Bewegungen einschränkte, denn er leitete mich. Ich war sein Kunstwerk, absolut vollkommen und wunderschön, doch nie vollständig sondern im stetigen Wandel.
Und so finden wir an dieser Stelle auch seinen Namen. Der Künstler.

Er hat an diesem Tag einen Blick auf meine Seele erhaschen können. Und so viel kann ich schon sagen, zum aktuellen Zeitpunkt kennt er sie ziemlich gut.

Als ich wieder in die Wirklichkeit zurückkehrte, war ich eine Andere und doch fühlte ich mich so viel mehr wie ich selbst. Um mich herum zählte nichts anderes mehr, keine Zeit, keine anderen Menschen, nicht einmal der Raum, indem wir uns befanden, da waren nur er und ich und das was nun zwischen uns entstanden war.

Ich kann wirklich nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, wie lange wir noch kuschelten und den Augenblick genossen. Doch ich weiß noch, dass uns irgendjemand zwischendurch sagte, dass es wohl sehr schön war, uns zuzusehen. Und das werde ich wohl auch nie vergessen, denn in dem Moment erinnerte ich mich an den Anfang und an die Faszination, die ich fühlte, als ich noch seine Zuschauerin war. Es erfüllte mich kurz mit Stolz, dieses Kompliment zu hören, zumal es das erste Mal für mich war und auch wir beide zum ersten Mal etwas miteinander gemacht haben. Aber dann war es irgendwie schon wieder unwichtig, denn es ging um unser Miteinander.

Trotzdem mussten wir natürlich irgendwann auch aufstehen und ein bisschen zusammenräumen. Wir machten nochmal eine kurze Pause. Allerdings waren wir beide durchaus angetan von diesem intensiven Erlebnis, denn er fesselte mich noch ein zweites Mal an diesem Tag. Das Treffen endete gegen Abend und ich lag gemeinsam mit einem anderen Bunny auf der Couch, während aufgeräumt wurde. Ich glaube, wir sind auch beide kurz weggedöst. Wie eingangs erwähnt, war ich ja eigentlich auch ziemlich müde, hinzu kamen die ganzen Eindrücke dieses Tages und naja, ich war einfach fix und alle.

Der Künstler ist wirklich ein unfassbar lieber und herzensguter Mensch. Er weckte mich sanft und fuhr mich nach Hause. Wir tauschten unsere Nummern aus und natürlich wollten wir uns gerne noch vor dem nächsten Fesseltreff wiedersehen. Aber er betonte auch, dass ich mich bei ihm melden solle, falls irgendetwas sein sollte oder es mir nicht gut gehen würde.

Zuhause nahm ich zur Entspannung noch ein Bad, da ich innerlich noch sehr aufgewühlt war. Anschließend tauschte ich mit dem Künstler noch ein paar kurze Nachrichten aus und ich freute mich sehr darüber. Dann aber überkam mich endgültig die Erschöpfung und gegen Mitternacht versank ich im Schlaf. Ob ich da wohl schon von dem träumte, was ich erst nur erahnen konnte? Wer weiß…

Fortsetzung folgt.

Vielen Dank an dich, dass du den Beitrag gelesen hast. Ich hoffe dieser Teil des Gedankenkarussells hat dir gefallen.

Alles Liebe
Kati

3 Gedanken zu „Die ersten Male – Teil I“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.